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Kinderfreizeit im Zirkuscamp

„Ein riesiger Schritt für Eddy und Paul“

Paul turnt auf dem Trapez, Eddy mimt den Clown. In den Sommerferien haben die Zwillinge im Kinderzirkus ihre eigenen Stärken kennengelernt. Dabei ist Urlaub für sie und ihre alleinerziehende Mutter keine Selbstverständlichkeit.

Die Diabolos drehen sich. Schnell schwingen Eddy und Paul ihre Stäbe, um die Balance zu halten. Und Tusch: Eddy spannt die Schnur zwischen den Stöckchen, lässt sein grünes Diabolo in die Höhe fliegen und fängt es wieder auf. Der Trick hat geklappt. Die Jungs lachen vor Freude. Jonglieren, das macht beiden am meisten Spaß. Darin sind sie sich einig. Doch bei den Zwillingen muss nicht alles gleich sein. Im Kinderzirkus turnt Paul lieber auf dem Trapez und Eddy spielt den Clown. Bei der Kinderreisen-Freizeit im Zirkuscamp Ostholstein der Familie Traber in Dahme haben die Geschwister gelernt, ihre eigenen Stärken zu erkennen und die des anderen zu respektieren.

Eddy und Paul haben bei der Zirkusfreizeit mit Kinderreisen viele Tricks gelernt.

„Durch die Kinderfreizeit haben die beiden einen riesigen Schritt gemacht“, sagt ihre Mutter, Uta Kloth. „Früher war Eddy immer der Schüchternere und Paul derjenige, der den Ton angibt.“ Doch als Eddy nach einer Woche Zirkuscamp bei der Abschlussgala auf der großen Bühne steht und selbstbewusst eine ganze Clownstruppe anführt, traut sie ihren Augen kaum. „Ich war völlig überrascht“, erinnert sich Mama Kloth und ihr kommen dabei die Tränen. „Das war für mich ein ganz besonderer Moment.“

Eddy und Paul erinnern sich gern an ihre Zeit im Zirkus Ostholstein.
Paul zeigt Kunststücke mit dem Diabolo.
Als Zirkusartisten können Eddy und Paul natürlich auch jonglieren.
Die Kinderreisen der Fernsehlotterie waren für uns im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Sechser im Lotto.
Uta Kloth, alleinerziehende Mutter der Zwillinge Eddy und Paul

Die Mutter sitzt mit den Jungen in ihrem Wohnzimmer in Ahrensbök bei Lübeck und schaut sich gemeinsam Fotos vom Auftritt an. Die Vier-Zimmer-Wohnung ist nicht die größte, aber die Wände leuchten in fröhlichem Gelb und Grün, darüber schlängeln sich liebevoll drapierte Bilderrahmen von Zimmer zu Zimmer. Es duftet nach Kaffee und frisch gebackenem Kuchen. Paul blättert durch die Seiten im selbstgemachten Fotobuch. „Da bist du mit den Clowns“, ruft er und tippt mit dem Finger auf eines der Bilder. Eddy grinst breit vor Stolz.

Das erste Mal ohne Mama im Urlaub. „Das war natürlich eine große Herausforderung“, sagt Uta Kloth, „für beide Seiten.“ Als Eddy und Paul zum ersten Mal mitfahren, sind sie zehn Jahre alt. „Ja, ein bisschen Heimweh hatten wir am Anfang schon“, geben die heute fast Zwölfjährigen zu. Aber dann haben sie jeden Tag so viel erlebt, dass die Zeit viel zu schnell um war.

Ich muss sonst um alles kämpfen. Dass uns da mal was geschenkt wird, das ist sehr ergreifend.
Uta Kloth, Erzieherin und alleinerziehende Mutter

Jonglieren, Akrobatik und Zaubertricks, all das haben sie im Kinderzirkus der Familie Traber an der Ostsee gelernt, berichten Eddy und Paul. Auch kleine Mutproben, wie Balancieren, Feuerspucken und über Glas gehen, haben die beiden bestanden und sind dabei über sich hinaus gewachsen. „Voll cool war auch die Hüpfburg“, finden die Jungs. Insgesamt 120 Kinder aus Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben im vergangen Jahr jeweils eine unbeschwerte Ferienwoche im Kinderzirkus verbracht.

Eddy hat bei der Zirkusfreizeit gelernt mit dem Diabolo umzugehen.
Eddy und Paul haben die unbeschwerte Ferienwoche mit Kinderreisen genossen und sind selbstbewusster geworden.

Ein großes Abenteuer für die Kinder. Aber auch Eltern brauchen mal Ferien, erst recht wenn sie alleinerziehend sind. Das weiß Uta Kloth nur zu gut. Sie zieht die Jungen allein auf, seit der Vater sich von der Familie getrennt hat. Da waren die Zwillinge drei Jahre alt. Seitdem sind die Mutter und ihre Söhne noch enger zusammen gewachsen. Einmal freie Zeit für sich zu haben und das auch zu genießen, sei ihr am Anfang gar nicht so leicht gefallen, gesteht Uta Kloth. Doch als die Jungen im Jahr darauf zum zweiten Mal mitfahren, wird es etwas einfacher, loszulassen.

„Das war eine Woche wie zehn Jahre Urlaub“, schwärmt die 45-Jährige Erzieherin. Morgens mal keine Brote schmieren müssen. Nach der Arbeit ungestört auf dem Sofa entspannen. Freunde treffen oder einfach nur Zeit für sich haben. All das ist für die Alleinerziehende purer Luxus. „Am Ende der Woche war ich aber auch überglücklich, sie wieder bei mir zu haben.“

Seitdem sind die Jungs viel selbstbewusster und müssen sich nicht mehr immer vergleichen.
Uta Kloth, Mutter von Eddy und Paul

Die Ferienzeit ist besonders für Alleinerziehende oft ein Drahtseilakt. Sechs Wochen Sommerferien – wer kann sich schon so viel Urlaub nehmen? Die Mutter aus Ahrensbök hat es dabei noch gut. Die offene Ganztagsschule am Ort bietet auch in den Ferien Betreuung an. Doch auch das bedeutet zusätzliche Kosten. Eine große Reise sei dann oft nicht mehr drin.

Mutter Uta mit Eddy und Paul.

„Die Kinderreisen der Fernsehlotterie waren für uns im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Sechser im Lotto“, sagt Uta Kloth und die Stimme der eigentlich sehr heiteren Frau wird brüchig. „Ich muss sonst um alles kämpfen. Dass uns da mal was geschenkt wird, das ist sehr ergreifend.“ Eine aufmerksame Betreuerin hatte die Familie für die Kinderfreizeit vorgeschlagen. „Sie wusste, dass ich mit den beiden Jungs allein bin und kannte unsere Situation.“ Der Vater wohnt inzwischen in einem anderen Bundesland und kommt nur noch sporadisch zu Besuch. Uta Kloth hat nicht nur das Gefühl, mit allem allein dazustehen. Viel schlimmer sei der jahrelange Streit um den Unterhalt. All das haben die Zwillinge hautnah mitbekommen.

Eddy und Paul sind zwar Zwillinge, aber jeder hat seine eigenen Stärken und Vorlieben.
Zirkustricks und Kunststücke zeigen Eddy und Paul nur zu gern.
Die Zwillinge Eddy und Paul wollen auf jeden Fall wieder ins Zirkuscamp.

Als die Kinder nach einer Woche Ferienfreizeit im großen Zirkuszelt aufführen, was sie gelernt haben, ist Uta Kloth eine der wenigen Mütter, die extra für die Show nach Dahme gefahren sind. Sie ist begeistert: „Seitdem sind die Jungs viel selbstbewusster und müssen sich nicht mehr immer vergleichen.“ Auch wenn die zweieiigen Zwillinge sich nicht aufs Haar gleichen – Eddy ist etwas größer und Paul hat dunklere Haare – sei es für sie besonders wichtig gewesen, die jeweils eigenen Talente und Interessen zu entdecken. Heute sieht man den Unterschied auf den ersten Blick: Eddy liebt die Farbe Grün. Paul mag Orange und Blau. Er trägt eine blaue Brille, sein Diabolo ist orange. Fußball finden zwar beide gut: Aber Eddy ist für Werder Bremen, Paul feuert die Bayern an – und so haben sie auch ihre Kinderzimmer unterschiedlich eingerichtet.

Nach einer Woche Kinderzirkus sind die beiden richtig aufgeblüht, findet die Mutter: „Am Ende waren beide sehr stolz auf sich – jeder auf das, was er geschafft hat.“ Und wie hat es Paul und Eddy gefallen? Für sie war die Kinderfreizeit einfach nur ein riesiger Spaß. Die Zwillinge wollen auf jeden Fall wiederkommen. Im Garten hinter dem Haus proben sie schon mal ihre Kunststücke für die nächste Reise ins Zirkuscamp.

Info

Ob spannende Jonglierexperimente, Feuerspucken oder Seiltanz – bei der Zirkusfamilie Traber in Dahme erwartet die Kinder eine aufregende Welt. Zahlreiche Attraktionen zum Mitmachen bescheren den kleinen Feriengästen Spaß und neue Erfahrungen. Alles was sie vorführen, entstammt oft ihren eigenen Ideen, entspricht genau ihren Vorstellungen. Denn hier bekommen sie nicht bloß vorgefertigte Tricks beigebracht, sondern grundlegende Zirkustechniken.

Unter der Anleitung der Zirkusprofis planen und üben sie Kunststücke ein, die sie anschließend bei der selbst organisierten Gala im großen Zirkuszelt ihrem Publikum präsentieren. Einmal Star sein, in der Manege auftreten und Applaus bekommen. Das stärkt nicht nur die darstellerischen Talente, die motorischen Fähigkeiten und das Selbstbewusstsein nachhaltig, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl der kleinen Zirkuskünstler.

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